Ratgeber

Firmenkauf in der Schweiz finanzieren

Die Frage lautet nicht nur: Wer finanziert den Kaufpreis? Eine Übernahme muss auch nach dem Vollzug genügend Liquidität für Löhne, Betriebskapital, Investitionen und unerwartete Abweichungen behalten. Käufer brauchen deshalb zuerst einen vollständigen Mittelbedarf und ein realistisches Cashflow-Modell. Erst danach lässt sich entscheiden, welcher Mix aus Eigenmitteln, Bank- oder Investorengeldern und Beiträgen der Verkäuferseite tragbar ist.

Praxisleitfaden

Die folgenden Punkte helfen bei der Einordnung. Welche Fragen im konkreten Fall wichtig sind, hängt vom Unternehmen, den beteiligten Personen und der gewählten Transaktion ab.

Vom Kaufpreis zum gesamten Mittelbedarf

Erstellen Sie eine Mittelverwendung mit getrennten Zeilen für Kaufpreis, Transaktions- und Finanzierungskosten, notwendige Investitionen, Betriebskapital, saisonale Spitzen und eine Liquiditätsreserve. Prüfen Sie ausserdem, ob vorhandene liquide Mittel, Finanzschulden oder andere Positionen im Kaufpreis enthalten sind oder beim Vollzug angepasst werden. Das KMU-Portal des SECO trennt die Finanzierung der Übernahme ausdrücklich von der laufenden Finanzierung des Unternehmens und empfiehlt eine konsolidierte Betrachtung von Zielunternehmen und Käuferseite. So wird sichtbar, ob der Kauf zwar bezahlt, der Betrieb danach aber unterfinanziert wäre.

  • Kaufpreis und zusätzlichen Kapitalbedarf getrennt erfassen
  • Liquiditätsbedarf nach der Übergabe berücksichtigen
  • Mittelverwendung mit Transaktionsstruktur abgleichen

Eigenmittel und Fremdkapital realistisch kombinieren

Klären Sie früh, welche Eigenmittel tatsächlich verfügbar sind und welcher Teil als persönliche oder betriebliche Reserve unangetastet bleiben soll. Finanzierungspartner beurteilen nicht nur Sicherheiten, sondern auch Erfahrung der Käufer, Qualität des Geschäftsmodells, erwartete Cashflows, Transaktionsstruktur und Datenlage. Eine feste Eigenmittelquote passt deshalb nicht zu jedem Firmenkauf. Das KMU-Portal des SECO nennt Eigenfinanzierung, Fremdfinanzierung durch Dritte und Finanzierung durch die Verkäuferseite als mögliche Bausteine und weist darauf hin, dass diese in der Praxis kombiniert werden. Vergleichen Sie Kosten, Rang, Laufzeit, Sicherheiten und Mitspracherechte jedes Bausteins.

  • verfügbare Eigenmittel und notwendige Reserven trennen
  • Rückzahlung aus realistischen Cashflows beurteilen
  • Kosten, Sicherheiten und Bedingungen vollständig vergleichen

Ertragskraft und Tragbarkeit prüfen

Bauen Sie die Rückzahlung nicht auf dem besten Planjahr auf. Ausgangspunkt sind historische Cashflows, bereinigt um nachvollziehbare Einmaleffekte und ergänzt um marktgerechte Löhne, Steuern, Ersatzinvestitionen und Veränderungen nach der Übernahme. Rechnen Sie mindestens ein Basisszenario und ein belastbares Abweichungsszenario mit tieferem Umsatz, geringerer Marge oder verzögerter Übergabe. Zeigen Sie für jedes Jahr Schuldendienst, verbleibende Liquidität und Reserve. Wenn bereits eine moderate Abweichung zu Zahlungsproblemen führt, müssen Preis, Finanzierungsanteile, Laufzeiten oder Kapitalpuffer angepasst werden.

  • historische Zahlen und Zukunftsannahmen getrennt darstellen
  • Schuldendienst und betriebliche Liquidität gemeinsam betrachten
  • Abweichungsszenarien ohne Scheingenauigkeit prüfen

Verkäuferdarlehen und variable Kaufpreise verstehen

Ein Verkäuferdarlehen verschiebt einen Teil der Zahlung und kann zeigen, dass die Verkäuferseite Vertrauen in die Rückzahlungsfähigkeit hat. Es ist aber weiterhin eine Verpflichtung. Regeln Sie Betrag, Zins, Laufzeit, Rückzahlung, Rang, Sicherheiten und das Vorgehen bei Vertragsverletzungen. Bei einem Earn-out hängt ein Teil des Preises von späteren Ergebnissen ab. Definieren Sie Kennzahl, Rechnungslegungsregeln, Einfluss der neuen Eigentümerschaft, Informationsrechte und Streitverfahren so, dass beide Seiten dieselbe Berechnung nachvollziehen können. Weder Verkäuferdarlehen noch Earn-out machen einen zu hohen Gesamtpreis automatisch tragbar.

  • Zahlungszeitpunkte und Bedingungen transparent abbilden
  • Berechnungsgrundlagen variabler Elemente eindeutig definieren
  • Interessen nach der Übergabe und mögliche Konflikte berücksichtigen

Ein prüfbares Finanzierungsdossier erstellen

Das Dossier muss Käufer, Zielunternehmen und Transaktion in einem Bild verbinden. Dazu gehören Lebenslauf und operative Rolle der Käufer, Herkunft und Verfügbarkeit der Eigenmittel, Kaufgegenstand, historische Abschlüsse, aktuelle Zahlen, Kaufpreisbrücke, Mittelverwendung, Cashflow-Szenarien, Risiken und geplante Sicherheiten. Kennzeichnen Sie offene Punkte aus der Due Diligence, statt sie mit optimistischen Annahmen zu füllen. Prüfen Sie bei jeder Finanzierungszusage Betrag, Laufzeit, Bedingungen, erforderliche Sicherheiten, Gültigkeitsdauer und noch ausstehende Genehmigungen. Ein positives Erstgespräch ist noch keine abrufbare Finanzierung zum Vollzugstag.

  • Käuferprofil, Transaktion und Zahlen konsistent präsentieren
  • Annahmen, Quellen und offene Punkte offen kennzeichnen
  • Bedingungen einer Finanzierung vor Vertragsbindung verstehen

Quellen und weiterführende Informationen

Häufige Fragen

Welche Unterlagen verlangt eine Bank für einen Firmenkauf?

Typisch sind Angaben zu Erfahrung und Vermögen der Käufer, verfügbare Eigenmittel, Jahresabschlüsse und aktuelle Zahlen der Firma, Kaufgegenstand und Preis, Mittelverwendung, Cashflow-Plan, Risiken sowie vorgesehene Sicherheiten. Der genaue Umfang hängt von Finanzierungspartner und Transaktion ab.

Wie viel Eigenkapital brauche ich – geht ein Firmenkauf auch ohne?

Ein Firmenkauf ganz ohne eigene Mittel ist in der Praxis schwer tragbar und darf nicht als Standardmodell verstanden werden. Es gibt aber auch keine belastbare Standardquote für jeden Kauf. Entscheidend sind Ertragskraft, Sicherheiten, Risiko, zusätzlicher Kapitalbedarf, Erfahrung der Käufer und die Bedingungen aller Kapitalgeber. Private und betriebliche Reserven dürfen nicht doppelt gerechnet werden.

Zählt ein Verkäuferdarlehen als Eigenkapital?

Nicht automatisch. Ob ein Finanzierungspartner ein Verkäuferdarlehen wirtschaftlich eigenkapitalähnlich behandelt, hängt unter anderem von Rang, Laufzeit, Rückzahlungsregeln und Sicherheiten ab. Klären Sie diese Einordnung mit allen Kapitalgebern, bevor der Finanzierungsmix oder Kaufvertrag festgelegt wird.

Kann die Firma den Kaufpreis aus ihrem Cashflow zurückzahlen?

Künftige Cashflows können den Schuldendienst tragen, müssen aber zugleich Löhne, Steuern, Betriebskapital und Investitionen finanzieren. Prüfen Sie zudem, welche Mittel rechtlich und vertraglich verfügbar sind. Ein Plan ist nur tragbar, wenn auch nach realistischen Abweichungen genügend Liquidität im Unternehmen bleibt.

Wann ist die Finanzierung wirklich zugesagt?

Massgebend ist die schriftliche Finanzierungsvereinbarung mit Betrag, Konditionen und klar benannten Auszahlungsvoraussetzungen. Prüfen Sie, ob Due Diligence, Sicherheiten, Eigenmittelnachweis, interne Genehmigungen oder Vertragsunterlagen noch ausstehen und ob die Zusage bis zum geplanten Vollzug gültig bleibt.